Deutsche Spuren auf Zypern: Vom Stauferreich bis zur modernen Verbindung

Manche Verbindungen zwischen Ländern entstehen über Handel. Andere über Krieg. Manche über Wissenschaft.

Zwischen Deutschland und Zypern gab es alle drei – und sie beginnen früher, als man denkt.

Ein Kaiser macht Zypern zum Lehen

Ende des 12. Jahrhunderts, lange bevor Nordzypern zum Sehnsuchtsort wurde, war die Insel bereits Teil deutscher Reichspolitik.

1195 huldigte König Amalrich von Lusignan dem römisch-deutschen Kaiser Heinrich VI. auf den Reichstagen von Gelnhausen und Worms. Zypern wurde damit formal zum Lehen des Heiligen Römischen Reiches.

Zwei Jahre später, im September 1197, reiste der kaiserliche Kanzler Konrad von Querfurt, Bischof von Hildesheim, eigens nach Nikosia – und krönte Amalrich dort in der Kathedrale zum König von Zypern. Im Namen des Kaisers.

Kurz darauf, im März 1198, wurde in Akkon der Deutsche Orden gegründet. Konrad von Querfurt war bei der Gründung dabei. Nur wenig später unterhielt der Orden bereits eine eigene Niederlassung in Nikosia.

Eine Insel im östlichen Mittelmeer, verwaltet, gekrönt und bereist im Auftrag deutscher Kaiser und Kleriker.

Ein zweiter Kaiser, ein Bürgerkrieg

Eine Generation später griff ein anderer Staufer nach der Insel: Friedrich II.

1225 heiratete er Isabella II. von Jerusalem und beanspruchte damit auch die Vormundschaft über den noch unmündigen Zypern-König Heinrich I.

1228 machte er auf dem Weg zu seinem Kreuzzug ins Heilige Land Station auf Zypern, um diesen Anspruch persönlich durchzusetzen. Was folgte, war kein diplomatischer Erfolg, sondern ein jahrelanger Bürgerkrieg – der Krieg der Lombarden, ausgetragen zwischen kaiserlichen Statthaltern und dem einheimischen Adel unter Führung der Familie Ibelin.

Im Juli 1229 unterlag die kaiserliche Partei in der entscheidenden Schlacht vor den Toren von Nikosia und zog sich in drei Burgen zurück: Kyrenia, St. Hilarion, Kantara. Nach monatelangen Belagerungen – in St. Hilarion sollen die Eingeschlossenen zuletzt ihre eigenen Pferde geschlachtet haben – fielen alle drei 1230 an die Ibelins zurück.

Die endgültige Entscheidung fiel am 15. Juni 1232 bei Agridi, im Bergland hinter Kyrenia: die größte Schlacht der gesamten Kreuzzugsgeschichte zwischen Christen. Die Ibelins siegten. 1233 war die kaiserliche Herrschaft auf Zypern endgültig Geschichte.

Ein Konflikt, ausgelöst von einem deutschen Kaiser, ausgetragen auf zypriotischem Boden, entschieden in den Bergen von Kyrenia.

Ein Titel, der weiterlebt

Die staufische Geschichte auf Zypern endete nicht 1233 – sie hinterließ ein Erbe, das die Insel jahrhundertelang trug.

1268 wurde Konradin, der letzte Hohenstaufer und Enkel Friedrichs II., in Neapel hingerichtet. Mit ihm erlosch die staufische Linie – doch der Titel „König von Jerusalem”, den einst Friedrich II. getragen hatte, ging über Hugo III. an die Könige von Zypern über.

Von da an ließen sich Zyperns Herrscher, nach ihrer eigentlichen Krönung in Nikosia, zusätzlich in der Kathedrale St. Nikolaus von Famagusta zu „Königen von Jerusalem” krönen – belegt unter anderem für Peter II. im Jahr 1372. Ein einst deutscher Kaisertitel, weitergetragen von zypriotischen Königen.

Ein Archäologe entdeckt das antike Zypern

Sechseinhalb Jahrhunderte nach Heinrich VI. kehrte ein anderer Deutscher zurück – diesmal nicht mit einem Heer, sondern mit einer Ausgrabungsschaufel.

Max Ohnefalsch-Richter, geboren 1850 im sächsischen Sohland, kam 1878 nach Zypern – im selben Jahr, in dem die Insel britisches Protektorat wurde. Zunächst als Journalist. Ab 1880 grub er im Auftrag des British Museum und der britischen Kolonialverwaltung, unter anderem bei Salamis nahe Famagusta, und wurde zu einem der aktivsten Ausgräber seiner Zeit.

Sein Hauptwerk „Kypros, die Bibel und Homer” erschien 1893 in Berlin. Seine Sammlung zypriotischer Altertümer zählt heute, neben Heinrich Schliemanns Trojanischen Sammlungen, zu den bedeutendsten Beständen des Berliner Museums für Vor- und Frühgeschichte.

Ohne ihn sähe das heutige Wissen über das antike Zypern anders aus.

Eine Verbindung, die bis heute wächst

Von Heinrich VI. über Friedrich II. bis Ohnefalsch-Richter – die deutsch-zypriotische Geschichte war nie ein Randkapitel, sondern immer wieder Teil größerer Entwicklungen: politisch im Mittelalter, wissenschaftlich im 19. Jahrhundert.

Heute setzt sich diese Verbindung auf andere Weise fort. Deutschland zählt zu den wichtigsten Partnern der Insel im Tourismus, immer mehr deutschsprachige Bewohner finden ein neues Zuhause an der Nord- und Ostküste, und das Interesse an Zypern als Lebens- und Investitionsstandort wächst spürbar.

Kein Zufall, sondern eine Fortsetzung. Was mit Kaisern und Kanzlern begann und mit einem Forscher fortgeführt wurde, lebt heute in den Menschen weiter, die sich bewusst für diese Insel entscheiden.

Ein Kaiser, der über die Insel entschied. Ein Forscher, der sie der Welt erklärte. Und heute: Menschen, die sie sich zur zweiten Heimat machen.